Stellungnahme „Lehrpläne Deutschförderklassen“

In offener Frist übermittelt die Bundesfachgruppe der AHS-LehrerInnen im ÖAAB ihre Stel-lungnahme zum gegenständlichen Entwurf.

Die Lehrpläne der Deutschförderklassen sollen ab dem Schuljahr 2019/20 verbindlich sein, im Schuljahr 2018/19 liegt es in der Verantwortung der Schulleiter, ob der neue Lehrplan verwendet oder bisherige Deutschförderpläne umgesetzt werden. Mit diesem Höchstmaß an Autonomie ist sichergestellt, dass den im Vorfeld geäußerten Bedenken Rechnung getragen wird und eine erfolgreiche Umsetzung am Schulstandort gewährleistet ist.

Pädagogische Überlegungen:
Deutschförderklassen sollen mit dem Ziel eingerichtet werden, Kindern und Jugendlichen ohne ausreichende Kenntnisse der Unterrichtssprache frühzeitig den Erwerb der notwendi-gen Sprachkompetenzen zu ermöglichen, um danach möglichst rasch gemeinsam im Klas-senverband nach dem Lehrplan der betreffenden Schulart und Schulstufe unterrichtet wer-den zu können. Die Bundesfachgruppe der AHS-LehrerInnen im ÖAAB begrüßt daher die semesterweise Ausrichtung der Lehrpläne, ebenso die sprachliche und fachliche Ver-schränkung, die festlegt, dass neben dem Fach „Deutsch in der Deutschförderklasse“ auch in allen anderen Fächern auf geeignete Weise Deutschlernsequenzen vermittelt werden sollen.

Das Prinzip „Unterrichtssprache vor Schuleintritt“, das in klassischen Einwanderungsländern immer schon gegolten hat, wird nun endlich auch in Österreich umgesetzt. So hat etwa der ÖAAB Vorarlberg bereits am 30.5.2008 in einem Leitantrag das Prinzip „Deutsch vor Schul-eintritt“ gefordert. Das Schulunterrichtsgesetz hätte schon damals die Möglichkeit dazu ge-boten.

Didaktische Überlegungen:
Die Bundesfachgruppe der AHS-LehrerInnen im ÖAAB begrüßt die in den Deutschförderklas-sen geforderten Kompetenzen, die sich in vier Lernbereiche gliedern:

1. Mündliche Sprachhandlungskompetenz zur Bewältigung kommunikativer Situationen (= Pragmatik) und mündliche Textkompetenz zur Vorbereitung auf bildungssprachli-che Anforderungen
2. Linguistische Kompetenzen: Wortschatz, Strukturen (Wortformen und Satzbau), Aus-sprache
3. Sprachlernkompetenz (Sprachlernstrategien)
4. Selbstkompetenz, soziale Kompetenz, interkulturelle Handlungsfähigkeit

Die Lehrpläne wurden von Schulpraktikern und Wissenschaftern erarbeitet und erscheinen einerseits praxistauglich, aber auch fordernd und darauf ausgerichtet, dass möglichst früh der Übertritt in die Regelklasse erfolgen kann. Da auch während des Besuchs einer Deutschförderklasse die Einbindung in einer Regelklasse gegeben ist, ist der wichtigen Kommunikation mit Gleichaltrigen, die bereits die deutsche Sprache beherrschen, ausrei-chend Raum gegeben.

Abschließende Bewertung:
Es ist evident, dass mangelnde Deutschkenntnisse hauptverantwortlich dafür sind, dass zu viele Kinder am Ende der Volksschule nicht sinnerfassend lesen können und ihnen nach dem Mittelschulabschluss wesentliche Grundkenntnisse in der Unterrichtssprache und in Mathe-matik fehlen. Damit sind diese Kinder und Jugendlichen auch nicht in der Lage, einen Lehr-abschluss zu schaffen und aus eigener Kraft berufsfähig zu werden. Die Einrichtung der Deutschförderklassen ist ein erster wesentlicher Schritt dazu, dieses Hauptproblem des österreichischen Schulsystems einer Lösung zuzuführen. Die Bundesfachgruppe der AHS-LehrerInnen im ÖAAB begrüßt deshalb die vorgelegten Lehrpläne, fordert allerdings auch weitere Schritte in diese Richtung ein.

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