Archiv für den Monat Februar 2015

Religion als Pflichtfach, Ethik als Alternative

tuertscherEthische Grundwerte unverzichtbar

„Die positive Rolle des Religionsunterrichts wird in unserem Land von vielen Menschen betont, weit über den Kreis derjenigen, die regelmäßig die Gottesdienste der christlichen Kirchen besuchen“, zeigt sich Wolfgang Türtscher, der Obmann der Vorarlberger AAB-Lehrer, überzeugt. „Für diejenigen, die sich vom Religionsunterricht abmelden, soll der Ethikunterricht hinkünftig österreichweit Pflicht werden, wie das in Vorarlberg schon seit mehr als einem Jahrzehnt möglich ist und gut angenommen wird“, sieht Türtscher keinen Widerspruch.

Eine demokratische Gesellschaft benötigt einen Grundkonsens in wichtigen Verhaltensweisen und Lebensnormen (z.B. Menschrechte, soziale Verantwortung, Partnerschaft in Ehe und Familie, Grundrecht auf Leben, Meinungsfreiheit. Wirtschaftsethik, Umgang mit Konflikten, Arbeit als Menschenrecht etc.). Diese Grundwerte zu vermitteln ist der gesetzliche Auftrag der Schulen, eine zielgerichtete Vermittlung im Religions- und Ethikunterricht damit unabdingbar.

Der vom grünen Bildungssprecher Walser geforderte „Ethikunterricht für alle“ läuft auf eine Abschaffung des Religionsunterrichts hinaus, der zu einem Freifach degradiert werden würde. Walser sagt auch ganz ungeniert, „das sei die kostengünstigere Variante“. „Tatsache ist“, so Türtscher, „dass gerade die religiöse Vielfalt in unserem Land es notwendig macht, dass den Kindern und Jugendlichen der Besuch des Religionsunterrichts ermöglicht wird. Das ist identitätsstiftend und eine Beitrag zur Integration in gleicher Weise. Österreich als tolerantes Einwanderungsland hat dafür die Voraussetzungen zu schaffen!“

Das Beispiel v.a. der Bundesländer Vorarlberg, Tirol und Oberösterreich – dort gibt es den Schulversuch Ethik schon mehr als ein Jahrzehnt – beweist, dass Religions- und Ethikunterricht durchaus ihren Platz nebeneinander haben. Wie für Bildungslandesrätin Bernadette Mennel und VP-Bildungssprecherin Brigitte Jank wäre es auch für Türtscher höchste Zeit, den Ethikunterricht verpflichtend für jene Jugendlichen zu verankern, die sich vom Religionsunterricht abmelden. Was sich in Schulversuchen bewährt hat, soll ins Regelsystem übergeführt werden.

Die Ethiklehrer werden derzeit berufsbegleitend von den Pädagogischen Hochschulen ausgebildet; Lehrer aller Fächer haben die Möglichkeit sich weiterzuqualifizieren. Dieses Modell hat sich bewährt und soll österreichweit umgesetzt werden.

Politischer Anstand und die Rücktrittskultur

Matthias Hofer

Nun also die nächste Panne bei der Zentralmatura. Dieses Mal gibt es Probleme beim Hochladen der Vorwissenschaftlichen Arbeit (VWA) auf einen Datenbankserver des Bildungsministeriums. Offensichtlich sind die Kapazitäten des Servers nicht annähernd für die anfallenden Datenmengen ausgelegt. Überraschung ist das allerdings keine mehr. Denn diese neuerliche Panne ist nur ein weiteres Glied einer ganzen Kette von Pleiten und Pannen.

Noch unter Ministerin Schmied musste aufgrund massiver Mängel und Beschwerden der Schulpartner die Einführung der Zentralmatura um ein Jahr verschoben werden. Fern jeglicher Realität meinte sie damals, dass die neue Reifeprüfung durch die Verschiebung „die am besten vorbereitete Matura aller Zeiten“ werde. Nach der letzten Nationalratswahl trat sie allerdings unverrichteter Dinge ab.

Doch kommt selten etwas Besseres nach. Ministerin Heinisch-Hosek erwischte es bereits kurz nach Amtsantritt eiskalt, als sensible BIFIE-Daten in rauen Mengen auf einem rumänischen Server auftauchten. Bei der Generalprobe der zentralen Klausuren in ausgesuchten Versuchsschulen wenige Monate später ging…

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Wien unter dem Halbmond

QUINtessenzen

Strafen für „Integrationsunwilligkeit“, Kopftuchverbot etc. In den letzten Tagen stellt sich mir als grundsätzlich fröhlichem Menschen immer wieder die Frage, ob ich lachen oder weinen soll, denn die Diskussion entbehrt weder einer gewissen unfreiwilligen Komik noch der Symptome totalitärer Regime.

Meldemann_Ausschnitt_Wien-Plan_blog Niklas Meldemann, Detail der Rundansicht der Stadt Wien zur Zeit der Ersten Türkenbelagerung (Nürnberg 1530), kolorierter Holzschnitt, Museum der Stadt Wien (Bild von Wikimedia Commons)

In freien Gesellschaften muss es jedem (1) erlaubt sein zu wollen, was immer es auch sein mag. Wenn dieser Wille zu Handlungen führt, die die herrschenden Normen verletzen, dann – und nur dann – sind Sanktionen zulässig. Eine Beschränkung des Willens hingegen ist Gesinnungsterror und würde an den Grundpfeilern unserer demokratischen Republik sägen. Das ist der Teil der Debatte, der mich zum Weinen anregt.

Aus historischen Gründen, oftmals als Abgrenzung zu einem vorher existierenden Gottesgnadentum, gibt es eine Reihe von demokratischen Staaten, die eine sehr…

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Am linken Auge blind?

Matthias Hofer

Zwei Ereignisse in weniger als 48 Stunden stellen auf eindrucksvolle Weise den tendenziösen Umgang der linken Politikreichshälfte sowie der ihr angeschlossenen Medien und Gutmenschen mit den Themen Gewalt und Extremismus unter Beweis.

Da wäre zum einen Griechenland. Schon am Tag nach dem Wahlerfolg der linksradikalen Syriza muss wohl auch den acht österreichischen Nationalratsabgeordneten der SPÖ und der Grünen, die in Webespots aktiv Syriza unterstützten und damit offen gegen ihre griechischen Schwesterparteien agierten, das Wort im Mund stecken geblieben sein. Denn in Ermangelung einer absoluten Mehrheit ging Syriza eine Koalition mit der fortan in Medien als „rechtspopulistisch“ eingestuften Minipartei „Unabhängige Griechen“ ein. In Anbetracht der Tatsache, dass diese Partei offen gegen Zuwanderung, eine multikulturelle Gesellschaft sowie Überfremdung eintritt und ihr Parteiführer mit Aussagen wie „Juden zahlen in Griechenland keine Steuern“ regelmäßig für Aufmerksamkeit sorgt, würde eher das Attribut „rechtsradikal“ passen. Man stelle sich nur vor, HC Strache würde…

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Zentralmatura – Und täglich grüßt das Murmeltier

Matthias Hofer

Wenn Florian Asamer in seinem heutigen Leitartikel meint, dass die Vorwissenschaftliche Arbeit (VWA) im Gegensatz zu den Klausuren „relativ glatt“ läuft, dann zeugt das davon, dass er sich darüber vor Ort an den Schulen offenbar nicht wirklich erkundigt hat. Denn von „glatt laufen“ sind wir auch im Bereich der VWA weit entfernt.

Der Unterschied zu den skandalösen Pannen bei Probeschularbeiten und Probeklausuren liegt einfach darin, dass bei der VWA die Durchführungsverantwortung bei den Schulen und Lehrern vor Ort liegt und eben nicht beim BIFIE bzw. beim Ministerium. So hat man bei der VWA an den Schulen schüler- und praxisorientiert auf so manchen „Bock aus dem Unterrichtsministerium bzw. dem BIFIE“ reagiert und konnte dadurch einen – von außen betrachtet – glatten Ablauf sicherstellen. Bei den schriftlichen Prüfungen liegt hingegen die Durchführungsverantwortung beim BIFIE und beim Unterrichtsministerium. Nach einer Unzahl an Pannen und Fehlern bei Klausuren und Schularbeiten macht hier der Vergleich sicher!…

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