Gemeinsame Schule löst keine Probleme!

turtscher wolfgang 2Katharina Wiesflecker irrt – differenzierte Systeme begünstigen soziale Durchmischung besser

LAbg. Katharina Wiesflecker, die Bildungssprecherin der Grünen im Vorarlberger Landtag, behauptet in den „Regionalen Medien“ vom 30. Jänner 2014, dass „sozial benachteiligte Kinder auch in der Bildung benachteiligt sind und deshalb die ‚Gemeinsame Schule‘ eine sozialpolitische Notwendigkeit sei.“

Wenn wir der Frage nachgehen, wie stark Bildung vererbbar ist, ist das am seltensten in Österreich der Fall: Die sogenannte „Bildungspersistenz in %“ weist für Luxemburg mit 67 % den ungünstigsten Wert– 67 % ‚erben“ den Bildungsabschluss ihrer Eltern – und für Österreich mit 22 % den günstigsten Wert auf. Der Prozentsatz gibt an, wie hoch die Wahrscheinlichkeit ist, dass ein „Akademikerkind“ im Vergleich zu einem Kind eines Pflichtschulabsolventen zu einem akademischen Abschluss kommt, d.h., in Luxemburg gelingt das nur 33 % der Kinder von Absolventen der Pflichtschule, in Österreich hingegen 78 %. (Quelle: OECD, 21.12.2009) Dem entspricht auch die Quote der Erstsemestrigen an unseren Universitäten – 71 % der Erstsemestrigen im Herbst 2012 sind Kinder von Nichtakademikern – das ist die höchste Durchlässigkeit Europas. (Quelle: Statistik Austria, 2013.)

Auch in Deutschland zeigt sich klar, dass Gesamtschulländer schlechter abschneiden als Bundesländer mit dem differenzierten System: „Wie sich bisher gezeigt hat, ist der Einfluss des Eltern-Status auf den Bildungserfolg der Kinder nirgendwo so groß wie in Berlin und Hamburg – und am geringsten in Bayern, das ein differenziertes Schulsystem hat. (Quelle: Wilfried Bos, Spiegel ONLINE, 18.12.2008). Im Gegenteil, in einem gegliederten Schulsystem gelingt es besser, die Herkunft auszugleichen: „Der Zusammenhang zwischen sozialem Status und Schulleistungen ist für die Migrantenkinder in den weiterführenden Schulen bei einem gegliederten System kleiner und bei einem integrierten  System größer als bei den Einheimischen. (Quelle: Hartmut Esser, Universität Mannheim, 2010)

Und auch im „hochgelobten“ Finnland bestimmt das Bildungsniveau der Eltern bei PISA 2009 doppelt so stark die Leistungen der Kinder wie in Österreich, d.h. Bildung wird „vererbt“. (Quelle: PISA 2009, Results: Overcoming Social Background, OECD 2010, S. 160)

Auch wenn man es nicht hören will: Ob ein Kind mit zehn Jahren in eine Haupt- bzw. Mittelschule oder ein Gymnasium geht, ist nicht so bedeutend. Die in den letzten Tagen bekannt gewordenen Ergebnisse über die Standards haben ein Ergebnis gebracht, das echte Experten immer schon gewusst haben: „Unser Problem ist die Gesamtschule Volksschule!“ – Dort gehört angesetzt – das hat die Vorarlberger Landesregierung schon Anfang 2013 erkannt und entsprechende Maßnahmen gesetzt – im Regierungsprogramm der Bundesregierung vom 16.12.2013 wird das ebenfalls berücksichtigt.

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